Zum Inhalt springen

Wirtschaftskriminalität

Strafbare Handlungen im Wirtschaftsleben: So schützen Sie Ihr Unternehmen wirksam

Delikte der Wirtschaftskriminalität verursachen regelmäßig einen Großteil des Gesamtschadenvolumens aller in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Straftaten, was ihre erheblichen Auswirkungen unterstreicht. Erfahren Sie, wie Sie Wirtschaftsstraftaten erkennen, ihnen vorbeugen und Ihr Unternehmen nachhaltig absichern. Mit den richtigen Präventionsmaßnahmen minimieren Sie nicht nur finanzielle Risiken, sondern stärken Ihre Unternehmenskultur. 

Zum Inhalt springen

Was ist Wirtschaftskriminalität?

Der Begriff der Wirtschaftskriminalität beschreibt keine eigenständige Straftat, sondern umfasst eine Vielzahl von Delikten, die im Rahmen einer tatsächlichen oder vorgetäuschten wirtschaftlichen Betätigung begangen werden. Nach der kriminologischen Definition handelt es sich bei Wirtschaftskriminalität um die vertrauensmissbrauchende Begehung von Straftaten, die unter Gewinnstreben die Abläufe des Wirtschaftslebens ausnutzt und zu einer Vermögensgefährdung oder einem Vermögensverlust großen Ausmaßes führt oder eine Vielzahl von Personen oder die Allgemeinheit schädigt. Orientierung bietet § 74c Abs. 1 Nr. 1-6 Gerichtsverfassungsgesetz, der die Zuständigkeit der Wirtschaftsstrafkammern normiert. Hierunter finden sich unter anderem: 

  • Anlagedelikte,
  • Finanzierungsdelikte,
  • Insolvenzdelikte,  
  • Arbeitsdelikte,  
  • Wettbewerbsdelikte,  
  • Gesundheitsdelikte,  
  • Qualifizierte Betrugsdelikte.  

Für Sie als Unternehmerin oder Unternehmer bedeutet dies, dass die Bedrohung sowohl von außen, als auch von innen kommen kann, insbesondere durch Personen, die über besonderes Fachwissen verfügen oder Vertrauensstellungen ausnutzen.

 

Erscheinungsformen: Vom Cyberangriff bis zur Innentäter-Problematik 

Es ist wichtig zu beachten, dass die Definition von Wirtschaftskriminalität in der polizeilichen Praxis eng gefasst ist und sich auf bestimmte Arten von Straftaten bezieht. Im Rahmen einer breit angelegten Schutzstrategie für Ihr Unternehmen kann jedoch eine breite Palette von Bedrohungen relevant werden. Nicht nur die klassischen Formen der Wirtschaftskriminalität, sondern auch Cyber-Angriffe und interne Bedrohungen wie Abrechnungsbetrug, Korruption und Diebstahl von sensiblen Betriebsgeheimnissen können Ihr Unternehmen gefährden. Insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen, in denen IT-Sicherheitsmaßnahmen oft weniger ausgereift sind, können derartige Angriffe zu verheerendem Schaden führen.   

 

Die Folgen für Ihr Unternehmen 

Die Auswirkungen wirtschaftskrimineller Handlungen gehen weit über den unmittelbaren finanziellen Schaden hinaus. Viele Unternehmen unterschätzen die langfristigen Konsequenzen – bis hin zur Bedrohung der Existenz des Unternehmens. Kosten für die Aufklärung der Tat, rechtliche Auseinandersetzungen, datenschutzrechtliche Nachbearbeitung oder die Wiederherstellung kompromittierter Systeme können enorme Höhen erreichen. Bedacht werden müssen auch die internen Folgen: Wird bekannt, dass Kolleginnen oder Kollegen kriminell gehandelt haben, leidet das Betriebsklima. In kleinen und mittleren Unternehmen, wo persönliche Beziehungen eine große Rolle spielen, können solche Vorfälle besonders hohen Impact haben.   

 

Prävention – der beste Schutz für Ihr Unternehmen 

Eine Kompromittierung des Unternehmens lässt sich nie vollständig ausschließen, aber durch eine durchdachte Präventionsstrategie lassen sich Risiken erheblich minimieren. Das Fundament bilden klare organisatorische Strukturen. Definieren Sie präzise, wer in Ihrem Unternehmen welche Befugnisse hat. Maßnahmen wie das Vier-Augen-Prinzip bei kritischen Vorgängen wie Zahlungsfreigaben oder Bestandsänderungen sind unverzichtbar. Schriftliche Prozessbeschreibungen helfen nicht nur bei der Prävention, sondern im Schadensfall auch bei der Aufklärung.   

 

Interne Kontrollen und Stärkung der Unternehmenskultur 

Regelmäßige interne Kontrollen sind Ihr Frühwarnsystem. Routinemäßige stichprobenartige Prüfungen von Belegen und Kontoauszügen helfen Straftaten aufzudecken und bestenfalls zu verhindern. Seien Sie sich zugleich bewusst, dass eine offene, ethische Unternehmenskultur Ihr stärkstes Instrument ist. Sprechen Sie mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über strafbare Handlungen und deren Folgen. Machen Sie deutlich, dass Unregelmäßigkeiten nicht geduldet werden, aber auch, dass Fehler ohne kriminelle Absicht keine drastischen Konsequenzen nach sich ziehen.   

 

Hinweisgebersystem: Für viele Unternehmen ein „Muss“ 

Ein Hinweisgebersystem, über das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Verdachtsmomente anonym melden können, kann ein wichtiges Instrument zur Prävention und Verfolgung von Unregelmäßigkeiten und strafbaren Handlungen sein. Beachten Sie, dass sich bereits für Unternehmen ab 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Pflicht zur Einrichtung einer einschlägigen Meldestelle aus dem Hinweisgeberschutzgesetz ergeben könnte!   

 

IT-Sicherheit als unverzichtbare Präventionssäule 

Digitale Wirtschaftskriminalität ist ein Massenphänomen. Salopp formuliert: Es stellt sich nicht mehr die Frage nach dem „Ob“, sondern nach dem „Wann“ Ihr Unternehmen betroffen sein wird. IT-Sicherheit muss daher schon bei kleinen Unternehmen konsequenter Teil des Schutzkonzeptes sein. Dies beginnt bereits mit zügiger und lückenloser Installation von Sicherheitsupdates und Nutzung professioneller Antivirenprogramme und Firewalls. Schon bei KMU empfiehlt sich regelmäßige Prüfung der IT-Sicherheit durch externe Fachleute.   

 

Prävention lohnt sich 

Strafbare Handlungen von innen und außen sind eine reale Bedrohung für Unternehmen jeder Größe. Als Unternehmerin oder Unternehmer tragen Sie Verantwortung für Ihr Unternehmen, Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Ihre Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartner. Investitionen in Prävention sind keine Kosten, sondern eine Absicherung Ihrer Existenzgrundlage. Denken Sie daran: Prävention schützt nicht nur vor kriminellen Handlungen, sondern schafft auch Vertrauen bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Kundinnen und Kunden und Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartnern. Ein gut aufgestelltes Unternehmen mit klaren Strukturen ist wirtschaftlich erfolgreicher und krisenfester.  

 

Die Polizei als Partner: Vertrauen Sie auf unsere Unterstützung 

Wir wissen aus unserer täglichen Arbeit, dass viele Unternehmerinnen und Unternehmer Wirtschaftsstraftaten lieber intern regeln möchten. Die Sorge vor Reputationsschäden oder langwierigen Verfahren ist verständlich. Dennoch möchten wir Sie ermutigen: Scheuen Sie sich nicht, frühzeitig Kontakt zur Polizei aufzunehmen. Unsere spezialisierten Fachdienststellen verfügen über das notwendige Fachwissen und die Erfahrung, um Ihre Anliegen diskret und professionell zu behandeln. 

Wirtschaftskriminalität – nicht nur ein Thema für Großunternehmen!

  • Organisatorische Maßnahmen: Vier-Augen-Prinzip bei sensiblen Vorgängen, klare Trennung von Funktionen
  • Schriftliche Prozessbeschreibungen
  • Stichprobenartige, routinemäßige Überprüfung von Geschäftsvorgängen
  • Zugangs- und Berechtigungsmanagement: Beschränkung von Zugriffsrechten nach Erforderlichkeit, sofortige Sperrung von Zugängen bei Personalwechsel
  • Etablierung eines systematischen Pre-Employment-Screenings
  • Etablierung eines IT-Sicherheitskonzepts Einrichtung eines Hinweisgebersystems
  • Sorgfältige Prüfung neuer Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartner
  • Verhinderung von Social-Engineering-Angriffen

Informationsblätter zum Wirtschaftsschutz

Die Informationsblätter zum Wirtschaftsschutz klären anlassunabhängig über Gefährdungen der Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung auf. Dabei werden auch grundsätzliche Handlungsempfehlungen zur Erhöhung des Schutzniveaus formuliert.   

Die Blätter eignen sich besonders gut als begleitende Handreichung zu Sensibilisierungs- und Schulungsmaßnahmen.

Cookies